Was mich an Android nervt

Nein, ich mache kein Geheimnis daraus, dass ich seit 2007 iPhone-Fan.de betreibe und Bücher zur iPhone- und iPad-Nutzung schreibe. Natürlich begeistert mich das intuitive iOS von Apple. Mein iPhone ist auch nicht gefailbreakt, denn mit den Nachteilen eines geschlossenen Systems komme ich gut klar. Für mich überwiegen sogar die Vorteile: Alle Apps sehen auf den unterschiedlichen iPhone-Generationen gleich gut aus. Ich erlebe höchst selten, dass eine App abstürzt oder nicht funktioniert. Mit Schadsoftware hatte ich bislang keine Probleme. Die Auswahl an Apps ist hervorragend – fast schon zu groß und unübersichtlich.

Natürlich kommt man als Gadget-Guy nicht um ein Android-Smartphone herum. Das Betriebssystem hat eine große Zukunft, allein schon aufgrund der Tatsache, dass ein halbes Dutzend Gerätehersteller auf das OS setzen. Doch nach wenigen Monaten intensiver Nutzung, fallen mit einige Dinge sehr negativ auf.

Geräte-Segmentierung

Seit etwas weniger als einem Jahr verwende ich HTC Legend. Tolles Gerät, sieht gut aus, liegt gut in der Hand. Darauf läuft Froyo, also Android 2.2. Die Systemsoftware-Prüfung sagt mir: „Es stehen keine Updates für das Handy zur Verfügung.“ Wie bitte? Was ist mit 2.3 – Gingerbread? Warum kann ich das nicht installieren? Ein Bekannter mit einem Motorola Milestone wartet seit sechs Monaten auf das vom Hersteller versprochene Update auf Froyo. Also sollte ich noch froh sein. Doch die Update-Möglichkeiten für die Android-Geräte, die immerhin einige Hundert Euro kosten, enden viel zu schnell. Beim iPhone sind immerhin rund zwei Jahre drin: das allererste iPhone funktionierte bis iOS 3.1.1. Für das 2009 erschienene iPhone 3G war erst jetzt mit iOS 4.3 Schluss.

Hinzu kommt, das jeder Hardwarehersteller Android nach eigenem Gusto anpasst und erweitert. HTC nennt seine Oberfläche Sense, Motorola MotoBlur und Samsung Touchwiz. Das macht die Sache nicht einfacher und übersichtlicher.

Vor allem ist es für die Entwickler eine Herausforderung, die Apps an die unterschiedlichen Bildschirme, Kameras, Sensoren und Menüs anzupassen. Die spezifischen Anpassungen sehen die Entwickler als „gewaltiges“ und „ernstzunehmendes“ Problem für die zukünftige Entwicklung von Android, so das Ergebnis einer Befragung des Analystenhauses Baird.

App Store

Kann ich den AppStore nicht länderspezifisch einstellen? Warum muss ich mir jede vierte App in asiatischen Schriftzeichen ansehen? Das nervt, das will ich nicht. Der App Store ist sowieso schon unübersichtlich und viele Apps werden niemals gefunden. Da brauche ich nicht noch fremdsprachige Anwendungen in der Übersicht.

Es herrscht Preiswirrwarr. Im Market auf dem Smartphone werden mitunter andere Preise angezeigt als auf dem Rechner. Auf der Abrechnung tauchen bei Bezahl-Apps dann wiederum andere Preise auf. Das liegt an der Währungskonversion. Die Entwickler stellen die Apps in US-Dollar ein und in Deutschland werden sie in Euro verkauft. Ändert sich der Wechselkurs, springen die Preise. Verständlich, aber nutzerunfreundlich, das bekommt Apple mit seinem Store, der in über 100 Ländern existiert besser hin.

Mangelnder Nutzerkomfort

Die SIM-Karte ist eingelegt und hat auch Empfang, telefonieren funktioniert, die Verbindung zum WLAN-Router ebenfalls. Aber das mobile Netzwerk will nicht. Unterwegs bekomme ich keinen Datenempfang. Was ist hier los? Warum erkennt das Smartphone die SIM-Karte nicht?

Nach langer Webrecherche finde ich den Grund: Ich muss zuerst manuell die Zugangsdaten für einen APN meines Providers eingeben. So nun erklärt mal einem Handwerker, Rechtsanwalt, Lehrer oder einem Menschen über 65, der ein Smartphone nutzen möchte, was ein APN ist. Komfort und Einfachheit sind die Erfolgskriterien von Apple aber auch von Google (jedenfalls im klassischen Web). Ein Eingabekasten auf einer ansonsten weißen Webseite, wo nichts blinkt oder Banner stören, das war wegweisend. Eigentlich hat Google das Prinzip doch verinnerlicht, warum also nicht bei Android?

Was mir als Anwender auch nicht in den Sinn will: Warum muss ich Apps zwischen Telefonspeicher und SD-Card hin- und herschieben. Ich will einfach Inhalte und Anwendungen speichern. Mir ist doch egal, wo die Sachen liegen.

Screenshots

Ein Foto vom Bildschirm ist eine praktische Sache. Wenn man gerade die Abfahrzeiten von Bus, Bahn oder Flugzeiten herausgesucht hat und die später noch einmal anschauen möchte, ohne wieder die Datenbank zu bemühen, ist ein Screenshot die perfekte Lösung. Tritt in einer App ein Fehler auf, hilft der Screenshot dem Entwickler bei der Analyse. Betreibt man ein Webseite zu Android-Smartphones könnte man Screenshots bei App-Besprechungen gut gebrauchen. Warum ist das bei Android so komplex, warum muss das Smartphone „gerooted“ sein? Das will mir nicht in den Kopf.

Bezahlsystem: Apple-ID versus Checkout

Mit über 200 Millionen Kunden-Konten ist die Apple-ID in iTunes ein weltweit etabliertes und funktionierendes Bezahlsystem – für alle drei Seiten: Käufer, Verkäufer und Apple. iTunes-Guthabenkarten ermöglichen es auch Jugendlichen ohne Kreditkarte oder Bankkonto, Spiele und andere Apps herunter zu laden. Bis Google-Checkout diesen Komfort bietet, wird es noch einige Zeit dauern. Insbesondere für Entwickler, die mit ihren Programmen Geld verdienen wollen, ist iOS bezahltechnisch das reizvollere System.

Schädlinge

Eine unschöne Kehrseite der Offenheit bei Android sind Schädlinge. Wer andere mit Viren, Trojanern und sonstigem digitalem Ungeziefer schaden will, wählt das Google-OS. Die immer wieder auftauchenden Schlagzeilen zu diesem Thema werden bei Business-Anwendern oder Menschen, die mobiles Banking machen wollen, nicht gerade für Vertrauen sorgen.

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