Skobbler wird zur kostenlosen Premium-Navi-App

Navi App Scout Telenav

Es wird günstiger und einfacher: GPS Navigation & Maps gibt es ab sofort als kostenlose Navigations-App im Store. „Wir läuten das Ende der kostenpflichtigen Premium-Navis ein„, sagt Marcus Thielking selbstbewusst. Er ist Geschäftsführer der Telenav GmbH, einem Tochterunternehmen der börsennotierten Telenav Inc. in den USA. Zusammen mit anderen ehemaligen Navigon-Mitarbeitern gründete Thielking 2008 in Berlin das Unternehmen Skobbler. Sie boten die Karten-Apps ForeverMap, Skobbler und GPS Navigation 2 + Blitzer an. Anfang 2014 übernahm das kalifornische Unternehmen Telenav das Berliner Startup und bietet seine Navigations-Apps nun unter der Marke Scout an.

Als Kartenmaterial wurde und wird Open Street Map (OSM) eingesetzt. Die Landkarten können länderweise heruntergeladen und so offline für die Navigation genutzt werden. Der Brite Steve Coast, Gründer von Open Street Map, steht heute ebenfalls im Dienste von Telenav. Unter der Marke Scout will das US-Unternehmen die Premium-Navi-Anbieter TomTom und Garmin unter Druck setzen. Aber auch gegen Google Maps und Apples Karten will man sich positionieren. „Online-Karten haben Vorteile bei Realtime-Informationen, sind aber für die Navigation nicht die richtige Wahl„, ist Thielking überzeugt. Das ständige Nachladen des Kartenmaterials bei einer Routenführung belastet das monatliche Datenvolumen – vor allem auf Reisen im Ausland wird das sehr teuer und bei schlechter Netzabdeckung ist eine verlässliche Navigation nicht möglich.

Wo geht´s zu den Antilopen?

In Sachen Kartenmaterial habe OSM inzwischen gegenüber sämtlichen Anbietern die Nase vorn. Weltweit tragen 1,8 Millionen Menschen zur Genauigkeit beim „Wikipedia für Landkarten“ bei. Die Detailtreue in Metropolen, vor allem in westlichen Industrieländern, sei beeindruckend, so Coast. „Da wird sogar der Standort einzelner Bäume erfasst„, berichtet der Brite. Als Beispiel wählt Coast den Berliner Zoo. Während Apples Karten und Google Maps unter der Adresse Hardenbergplatz 8 in 10787 Berlin zwar korrekt den Zoo anzeigen, sieht man bei Open Street Map die einzelnen Tiergehege. Man könnte sich also mit der App zu den Erdmännchen, Giraffen oder Zebras leiten lassen.

Open Street Map Berliner ZooHauptanwendung für die App dürfte allerdings die Navigation im Auto sein. Bei der Routenführung stehen Modi für Autofahrer, Fußgänger und Radfahrer zur Auswahl. Die Anzeige läßt sich im Tag/Nacht-Modus, einfach grau oder als Outdoor-Modus einstellen. Letzteres erhöht den Farbkontrast der Kartendarstellung. Das ist insbesondere für Fußgänger abseits klassischer Straßen nützlich. Beim Wandern erkennt man bei Tageslicht ansonsten die dünnen Linien für die Wege nicht mehr. Mir hat die App beim Wandern in der Serra de Tramuntana auf Mallorca gute Dienste geleistet.

Ab heute gibt es die App GPS Navigation kostenlos. Für Bestandskunden ist es ein normales Update. Bei der Erstinstallation ist ein Land nach Wahl kostenlos. Die Kartendaten werden für die Offline-Nutzung auf das iPhone heruntergeladen. Eine Turn-by-Turn-Navigation mit Sprachansage für das Auto gehört ebenfalls zu den Inklusivleistungen, genau wie die aktuellen Basis-Verkehrsdaten. Diese Daten kommen von Inrix und basieren auf Gegenseitigkeit. Der Nutzer sieht die aktuelle Situationen auf den Straßen und meldet im Gegenzug in anonymisierter Form seine Position und Geschwindigkeit. Aus diesem Floating Car Data errechnet Inrix den aktuellen Verkehrsfluß, ergo Stau oder freie Fahrt. Die Warnung vor fest installierten Blitzern in der DACH-Region ist kostenlos und kommt von Blitzer.de. Im Kameramodus erkennt die App Verkehrszeichen für Geschwindigkeitsbegrenzungen und Überholverbote. Zusätzliche Reiseinformationen können via TripAdvisor und Foursquare genutzt werden.

Navi-App kostenpflichtig erweitern

Wer weitere Länder benötigt, kann für 2,99 Euro ein Land, für 4,99 Euro ein Kontinent und für 9,99 Euro die gesamte Welt in den Händen halten. Die Karten müssen nicht dauerhaft auf dem Gerät gespeichert bleiben. Ob Speicherplatz zu sparen, kann man sie nach dem Urlaub wieder löschen und im kommenden Jahr die Karte für das Urlaubsland erneut installieren (Geräte- und Apple-ID müssen identisch bleiben). Wer neben fest installierten Blitzern auch vor mobilen Radarfallen gewarnt werden möchte, bekommt das für 9,99 Euro (Einmalzahlung). Wer die aktuellen Verkehrsdaten in Echtzeit haben möchte, zahlt ebenfalls einmalig 9,99 Euro. Für Richtungsansagen im Navi stehen Stimmpakete (3,59 €) zur Auswahl (Kleiner Nils, Susi oder Jogi).

Telenav hat darüber hinaus noch zwei Pakete geschnürt: Wer zwei der drei angebotenen Zusatzleistungen (Weltkarte, Verkehrsdaten, mobile Blitzer) haben möchte, zahlt 13,99 Euro als In-App-Kauf. Alle drei Leistungen gibt es für 17,99 Euro. Telenav positioniert sich damit als günstigster Premium-Anbieter. Die beschriebenen Leistungen kosten bei den Wettbewerbern zwischen 70 und 80 Euro. Eins macht dieser Schritt deutlich: Geld verdient mit Landkarten niemand mehr. Das Geschäft mit der Navigation beruht nur noch auf Zusatzleistungen.

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