Huawei möchte der VW der Branche werden

Bislang kannten nur wenige Menschen die Marke Huawei, geschweige denn wussten wie man den Namen richtig ausspricht. Doch das chinesische Unternehmen drängt mit einer Vielzahl an mobilen Geräten auf den europäischen Markt. In Deutschland werden in diesem Jahr erstmals mehr Smartphones als klassische Handys verkauft. Wir sprachen auf der CeBIT 2012 in Hannover mit Lars-Christian Weisswange, Vice President Terminals Western Europe, darüber, wie Huawei diese Entwicklung mitgestaltet.

Lars Christian Weisswange ist Vice President Terminals Western Europe bei Huawei

AF: Smartphones sind Statussymbole. Wenn jemand zu einer Besprechung kommt und ein Huawei-Gerät neben sich auf den Tisch legt, was sagt das über sie oder ihn?

Weisswange: Dass er oder sie Wert auf technischen Fortschritt legt und ganz vorn mit dabei sein möchte. Wir möchten der Volkswagen der Branche werden: Ein breites Portfolio mit sehr hoher Qualität zu einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis. Mit unseren Quad-Core-Prozessoren bieten wir derzeit die schnellsten Smartphones.

AF: Den durchschnittlichen Nutzer dürften das technische Innenleben nicht so brennend  interessieren, ihre Mitbewerber werden aufholen und alle Anbieter haben vergleichbare Geräte, oder anders ausgedrückt: austauschbare Geräte.

Weisswange: Das sehe ich anders. Ein wichtiges Differenzierungsmerkmal bei uns ist beispielsweise die Batterielaufzeit. Die Leistung der Smartphone-Batterien kritisieren die meisten Nutzer. Unsere halten 30 bis 50 Prozent länger als der Durchschnitt. Damit kommt man schon mal zwei Tage ohne Steckdose aus.

Wir arbeiten auch an Neuerungen wie dem Noise Cancellation, also einer vollständigen Unterdrückung der Umgebungsgeräusche. Selbst wenn Sie im Biergarten sitzen, wird der Chef beim Anruf davon nichts mitbekommen.

AF: Wird es neben Android noch andere Betriebssysteme auf Ihren Geräten geben?

Weisswange: Wir schauen uns den Markt genau an und warten mal ab, wie Windows Phone aufgenommen wird.

AF: Legen Sie über Android eigentlich eine eigene Benutzeroberfläche wie die anderen großen Anbieter?

Weisswange: Nein, generell nicht. Wir optimieren an der einen oder anderen Stelle, ansonsten verzichten wir darauf. Mit einer solchen Oberfläche sehen die Standard-Anwendungen toll aus und plötzlich sieht eine fremde App ganz anders aus bzw. wird anders gesteuert. Das bringt für den Nutzer keine Vorteile.

AF: Europäische Marken wie Siemens und Ericsson sind komplett vom Markt verschwunden. Große Namen wie Nokia und Motorola hatten enorme Schwierigkeiten. Der Handy-Markt wird heute von asiatischen Herstellern dominiert. Was machen die besser?

Weisswange: Die europäischen Hersteller haben zu lange nicht auf ihre Kunden gehört. Plötzlich gab es Ende der 90er Jahre silbern Handys und brillante Farbdisplays. Damit haben diese Hersteller in Europa punkten können. Als die Smartphones aufkamen, waren sie sofort mit einer Vielzahl an Geräten am Markt und geben bis heute den Takt an.

AF: Wir freuen uns über so viel Auswahl und die neuen Marken, aber wie spreche ich denn Huawei richtig aus?

Weisswange: Genauso wie es geschrieben wird. Es macht keinen Sinn, den Europäern eine chinesische Aussprache beibringen zu wollen. Zumal es in China so viele Dialekte gibt, dass der Firmennamen in den Regionen unterschiedlich ausgesprochen wird.

Produktportfolio

Huawei deckt den Markt der Smartphones in drei Stufen ab. Im Einsteigerbereich (unter 100 Euro) gibt es das Ideos X3 bei Discountern. Das mittlere Segment liegt bei 200 bis 300 Euro, darin ist unter anderem das Honor enthalten. Die Oberklasse bilden Geräte wie das Ascend D quad mit einem Vier-Kern-Prozessor. Es ist derzeit das schnellste Smartphone der Welt. Huawei bietet seine Geräte in der Regel 15 Prozent günstiger als vergleichbare Smartphones an.

Das Unternehmen

Huawei LogoHuawei wurde 1987 in China gegründet und wuchs über den Verkauf von Telekommunikationstechnik für Mobilfunk und Festnetz. In Deutschland dürfte fast jeder, der ein UMTS-Surf-Stick besitzt, schon mal ein Huawei-Produkt in der Hand gehabt haben. Heute arbeiten 140.000 Menschen für das Unternehmen, das seine Produkte in 150 Ländern verkauft. Neue Produkte werden in Entwicklungszentren in China, Indien, den USA, Russland, Schweden und Deutschland entwickelt. Dass die Smartphones auch den europäischen Geschmack treffen, dafür sorgt der deutsche Hagen Fendler, Chief Design Director Handset, bei Huawei.

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