Schritte zählen mit dem Flex von Fitbit

Flex Farben von fitbitDer innere Schweinehund kann schon fies sein und einen eher in den Fahrstuhl steigen lassen als die Treppe zu nehmen. Mehr Bewegung und Gewichtsreduktion kennen Kontrolle und Gruppendruck als Erfolgsrezepte (z.B. Weight Watchers). Diese Rolle kann auch das Smartphone übernehmen in Kombination mit einer elektronischen Armfessel versuchen.

Ich habe es in den vergangenen neun Wochen mit dem Flex von Fitbit ausprobiert. Das Unternehmen aus San Francisco entwickelt seit 2007 Sensoren zur Erfassung von Bewegungsdaten sowie Körperwaagen. Der Flex kommt mit zwei Armbändern in unterschiedlichen Größen (passend für Damen- und Herren-Handgelenke). In eins dieser Bänder steckt man den Tracker, in dem die Sensoren als auch fünf LED-Leuchten untergebracht sind. Dank der zwei Pins am Armband sitzt der Verschluss fest und ging niemals ungewollt auf. Einen Ansteck-Tracker eines Mitbewerbers habe ich bereits nach einem Tag verloren. Man kann den Flex links oder rechts tragen, sollte der App allerdings mitteilen, ob es die „dominante Hand“ ist.

Die erfassten Bewegungsdaten überträgt man per Bluetooth ans Smartphone mit passender App oder ans Online-Konto im Browser eines Desktop-Rechners mithilfe des mitgelieferten USB-Dongles. Der Flex nutzt Bluetooth 4.0, was den Energieverbrauch von Sender und Empfänger schont. Allerdings habe ich Bluetooth im Gerät nicht dauerhaft aktiviert. Wenn es eingeschaltet wird, dauerte mir der Verbindungsaufbau immer zu lang, im Durchschnitt waren es 1:40 Minuten bis Daten vom Tracker in die App flossen.

 Erreichte Tagesziele, Eigene Bewegungsziele festlegen, Weckzeiten (vlnr)Dafür finde ich es umso erstaunlicher, welchen Datenumfang der 3,2 cm kleine Tracker erfasst: Schritte, aktive Bewegungen (Sport), verbrauchte Kalorien und Schlafverhalten. Manuell bzw. mit WLAN-Waage lassen sich noch Gewicht, Köperfettanteil und Body Mass Index (BMI) erfassen bzw. errechnen. Die Bewegungsziele legt man individuell fest. Die American Heart Association empfiehlt 10.000 Schritt pro Tag. Ich habe es mal bei 8.000 belassen. Wie viel man von seinem Tagesziel bereits geschafft hat, zeigen die fünf LED-Leuchten nach einer Berührung an. Jedes Licht steht für 20 Prozent der Schritte. Ist das Tagesziel erreicht, blinken alle Leuchten und der Tracker vibriert. Die genauen Werte sieht man natürlich in der App.

Wieviel oz hat mein Bier?

Wem es um Gewichtsreduktion geht, erfasst mit der App auch sein Essen. Das ist allerdings etwas mühsam und in meinem Test schnell „eingeschlafen“. Beim Frühstück muss beispielsweise für das Marmeladenbrot einzeln Brot, Butter und der Aufstrich erfasst werden. Aber wie viel Gramm Marmelade schmiert man sich auf eine Scheibe Brot? Da wären Vorgaben hilfreich. Einziger Ausweg, man legt sich für jede Malzeit ein „benutzerdefiniertes Lebensmittel“ mit Kalorienangaben an.

Gescheitert bin ich auch an der wahrheitsgemäßen Angabe meines Feierabendbierchens. Für das Getränke hatte ich die Wahl zwischen Gramm und fl oz (flüssige Unzen). Die Literangabe fehlt hier leider, da sollte der US-Anbieter noch ein wenig an der Lokalisierung arbeiten. Komisch ist das schon, denn in der Rubrik Wasser kann ich problemlos die getrunkenen Mengen in Milliliter (ml) angeben.

Die App kennt Alter, Geschlecht und Gewicht des Nutzers. Daraus sowie aus den Bewegungsdaten errechnet sie, wieviele Kalorien der Körper jeden Tag verbrennt. Gibt man zum Abnehmen sein Wunschgewicht ein, berechnet die App die notwendige Differenz (also Verbrauch – Zufuhr). Dabei gibt es vier Härtegrade: Während der Verzicht auf 250 kCal als „Leichter“ eingestuft wird, sind 1.000 kCal deutlich „Schwerer“. Über diese Rechnung erhält man auch einen geschätzten Termin, an dem man das Wunschgewicht erreicht.

Abnahmetempo festlegen, Flüssigkeitsaufnahme erfassen und Nahrungsaufnahme festhalten, für Bier nur "oz" verfügbar (vlnr)Gruppendruck soll helfen

Wenn Freunde zuschauen und kommentieren, ist man motivierter und disziplinierter – so die Idee. Darum kann man die App mit seinem Twitter- und Facebook-Konto verbinden. So sieht man, wer am Tag die meisten Schritte geschafft hat oder beim Gewichtsverlust den Gürtel bereits ein Loch enger schnallen kann. Ich habe im Test darauf verzichtet.

Einsatz in der Nacht

Lässt man das Armband nachts um, erfüllt der Flex zwei Zwecke. Zum einen erfasst er die Körperbewegung im Schlaf. In der Auswertung sieht man diese Phasen als ruhelos bzw. wach. Wie lange man geschlafen hat, gibt man entweder manuell in der App ein oder tippt zwei Mal auf den Tracker, um den Schlafmodus zu aktivieren. Trotz diverser Versuche hat das bei mir nie geklappt. Es kam immer nur die Anzeige, zu wie viel Prozent mein Schrittpensum erfüllt ist. Also habe ich morgens nach dem Aufwachen die Zeiten in der App eingetragen. Zum anderen funktioniert der Tracker als Wecker. Riesenvorteil: Von der Vibration wird der Träger wach, nicht aber der Partner im Bett. In der App kann man für jeden Tag der Woche eine individuelle Weckzeit einstellen.

Beim Gang unter die Dusche kann der Flex am Handgelenk bleiben, er ist wasserabweisend. Das Armband gibt es in drei Farben: Schwarz, Türkis, Graublau und Pink. Bis zum 31. Dezember 2013 spendet Fitbit für jeden verkauften pinkfarbenen Flex 3,50 Euro an Brustkrebs Deutschland e.V. Die Batterie hält rund fünf Tage. Geladen wird der Tracker über eine mitgelieferte Halterung, die an einen USB-Anschluss kommt. Den Flex gibt es direkt im Fitbit-Store oder bei Amazon für 99,99 Euro.

Flex Fitbit Lieferumfang

Weitergabe der Nutzerdaten

Die Bewegungs-, Schlaf-, Gewichts- und Ernährungsdaten landen natürlich auch auf einem Server von Fitbit. Nur so kann man im Browser seine Daten im Dashboard auswerten. Was leider alle Anbieter dieser Tracker eint, sie verdienen Geld mit den (anonymisierten) Nutzerdaten. Für Sportartikel- und Nahrungsmittelhersteller, Versicherungen und Krankenkassen sind das interessante Informationen. In den Datenschutzrichtlinien von Fitbit heißt es: „Von Zeit zu Zeit gibt Fitbit bestimmte persönliche Daten an strategische Partner weiter […]. Fitbit kann deine persönlichen Daten auch an Unternehmen weitergeben, die Dienste im Zusammenhang mit Datenverarbeitung, Bestellabwicklung, Produktzustellung, Kundendatenverwaltung, Marktforschung usw. bereitstellen. […] Außerdem können wir im Falle einer Umstrukturierung, Fusion oder Übernahme jegliche persönlichen Daten, die wir erfassen, an die jeweilige Drittpartei weitergeben. […] Fitbit kann nicht personenbezogene, nicht identifizierbare, aggregierte Benutzerdaten, beispielsweise aggregierte Geschlechts-, Alters-, Größen-, Gewichts- und Nutzungsdaten, die mit Fitbit-Geräten erfasst werden, an folgende Instanzen weitergeben (ohne den Namen oder andere kennzeichnende Informationen):

  • Von Fitbit genehmigte Organisationen, die Verbraucheranalysen im Bereich Gesundheit und Wohlbefinden durchführen
  • Benutzer des Dienstes zum Zweck des Vergleiches ihrer persönlichen Gesundheitssituation und ihres Wohlbefindens mit der weiteren Gemeinschaft
  • Werbetreibende und andere Dritte für Marketing- und Werbezwecke

Diese Köte muss man wohl oder übel schlucken. Ansonsten hat die Disziplinierung (bei der Nahrungsaufnahme) und die Motivation (zu mehr Bewegung) mit dem Flex ganz hervorragend funktioniert.

Übersicht der Tracker-Anbieter

ModellFlexFuelbandUpViFit
HerstellerFitbitNikeJawboneMedisana
Schrittzählerxxxx
Schlaf-Monitorxn.n.b.xx
Gewichtxxx
Ernährungxn.n.b.x
Wecker (Vibration)xn.n.b.x
Verbind. mit Freundenxx
Preis99,99 €139,00 €129,99 €n.n.b.
Fitbit
Fitbit
Entwickler: Fitbit, Inc.
Preis: Kostenlos
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