Google I/O: Blick auf Android M und viele kleine Neuerungen

Das Echo auf die Keynote der Entwicklerkonferenz Google I/O in San Francisco fällt gemischt aus. In etwas mehr als zwei Stunden (!!!) gaben diverse Google Manager einen Einblick in das was kommt. Umwerfende, bahnbrechende Neuheiten wurden nicht vorgestellt. Es waren mehr kleine, nette, praktische und nützliche Neuerungen.

 

Doch eins wurde deutlich: Wer Google noch immer als Suchmaschinenkonzern sieht, sollte seinen Blick erweitern. 35 Marken der Autoindustrie nutzen Android Auto. Der Konzern verkaufte 17 Millionen Chromecast-Sticks für Fernseher es gibt über 20.000 Cast-Apps, dazu zählt auch bald HBO Now, mit Serien wie Games of Thrones und Silicon Valley. Google ist überall, auf dem Fernseher, im Auto, auf den mobilen Geräten und auf dem Desktop. In Ländern mit geringeren Bandbreiten beim mobilen Internetzugang werden Dienste für Maps, YouTube und die Suche angepasst. Google ist überall, und auch im Internet der Dinge sollen die Geräte „google´isch“ reden.

Sundar Pichai, Chef von Android, Apps und Chrome moderierte den Kick-Off der Entwicklerveranstaltung im Moscone Center, übrigens genau der Ort, an dem auch Apple schon häufiger seine Produktankündigungen abgehalten hat. Wer selber schauen möchte, das Video der Veranstaltung wurde in drei Teile gegliedert.

Google Photos

Mach Dir ein Bild

Für mich die größte und sofort verfügbare Neuerung ist Google Photos. Anil Sabharwal, Director Photos, präsentierte unterhaltsam die neuen Fotofunktionen, die ab sofort als Android- und iOS-App sowie  Desktop-Zugang zur Verfügung stehen. Die Idee: Wir machen zu viele Bilder mit unseren Smartphones. Später finden wir das EINE Bild, das wir gern zeigen oder verschicken möchten, nicht wieder. Google Photos hilft bei der Sortierung, Speicherung und dem Teilen von Bildern. Und das beste: Es gibt dafür kostenlosen, unlimitierten Speicherplatz für alle Fotos (bis 16 Megapixel) und Videos (1080p HD).

Sicherung: Das Smartphone lädt Aufnahmen direkt in den Google Drive hoch (Cloud). Manövriert wird mit Wischbewegungen, durch die App, nach links kommen die Sammlungen inklusive aller Alben, Filme und Geschichten. Nach unten geht es zeitlich zurück, am rechten Rand erscheint ein Schieber, mit dem ich die Monate und Jahre angezeigt bekomme. Eine Kneifbewegung verkleinert die Ansicht auf eine Jahresübersicht. Ein Wisch nach rechts öffnet den Assistenten.

Sortieren: Der Assistent übernimmt eine automatische Sortierung. Personen, Orte und Dinge landen jeweils in einem Fotoalbum, ohne dass der Nutzer dazu Bilder markiert. Die Suche erkennt Stichworte und Ortsnamen, ohne das man Schlagworte vergeben hat. Gleichzeitig bietet die App eine Bearbeitungsfunktion für Ausschnitt, Farbe und Kontrast. Aber auch Collagen, Animationen, Geschichten (mit Text) und Filme mit Soundtracks lassen sich mit wenigen Wischbewegungen zusammenstellen.

Teilen: Alle Bilder lassen sich leicht mit anderen teilen. Das gilt auch für mehrere Aufnahmen. Einfach ein Bilder länger gedrückt halten und dann über die weiteren Aufnahmen wischen, alle Fotos werden markiert. So kann man die Auswahl per Mail weiterleiten. Der Empfänger der Mail erhält einen Link zu Google Photos. Hat er dort ein Konto, kann er die Fotos in seiner Bildersammlung sichern.

Google Fotos
Google Fotos
Entwickler: Google Inc.
Preis: Kostenlos
  • Google Fotos Screenshot
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Google Foto App

Google Cardboard

Vor einem Jahr wurde Google Cardboard auf der Entwicklerkonferenz als Ergebnis eines 20 Prozent-Projekts vorgestellt (Angestellte dürfen ein Fünftel ihrer Arbeitszeit an eigenen Ideen arbeiten). Die Pappbrille besteht aus Karton, zwei Linsen und einem Gummiband. Richtig zusammengefaltet, kann man sein Smartphone einsetzen und spezielle Apps zeigen Aufnahmen in 3D. Es ist der günstige Schritt in eine Virtual Reality-Welt (VR) für Jedermann. Weltweit gibt es eine Million Cardboard-Nutzer. Dieses Jahr gibt es eine neue Version, größer für die gewachsenen Smartphones. Google-Entwickler können nun auch Cardboad-Apps für iPhones entwickeln. Für Schulklassen bietet Google „Expeditions„, ein Klassensatz an Cardboards, Smartphones, Tablets und Apps für virtuelle Ausflüge.

Mit „Jump“ können Fotografen 360-Grad-Fotoaufnahmen umsetzen. Dazu wird GoPro demnächst ein entsprechendes „Rad“ mit 16 Kameras für Rumdum-Aufnahmen anbieten. Google-Software errechnet aus den Aufnahmen 360-Grad-VR-Videos. Die YouTube-App wird ab Sommer 2015 stereoskopische Videos für CardBoard unterstützen.

Bezahlen mit Android Pay

Dave Burke gab eine Aussicht auf Android M. Für welche Süßigkeit M steht, blieb allerdings in der Präsentation offen:

  • Android Pay: ermöglicht kabelloses Bezahlen mit NFC-Technik. Die hinterlegte Kreditkartennummer wird beim Bezahlvorgang nicht an den Händler übertragen, dazu nutzt das System eine Vorgangsnummer. 700.000 Läden in den USA, darunter Macy´s und McDonald, akzeptieren Android Pay. Groupon, Lyft, Hotel.com und andere Apps werden Android Pay in ihre Apps integrieren. Somit können Buchungen direkt beglichen werden. Das System unterstützt Fingerabdruck-Erkennung, wenn das Gerät über diese Hardware verfügt. Die Fingerabdruck-API können Entwickler auch für andere Freischaltungsfunktionen innerhalb ihrer App nutzen.
  • App Permissions: Der Nutzer muss nicht mehr sämtlichen Zugriffen einer App im Paket zustimmen, um diese nutzen zu können. Er kann einzelne Zugriffe, die für ihn keinen Sinn machen, ablehnen. Das betrifft beispielsweise die Ortung, Kamera, Mikrofon, Kontakte, Kalender, Telefon, SMS und den Bewegungssensor. Einmal erteilte Zustimmungen können später widerrufen werden.
  • Internetinhalte: Weblinks führen von der App in den Browser. Der Wechsel ist oft unpraktisch für den Nutzer. Mit Chrome Custom Tabs öffnet die App den Link innerhalb der App.
  • App Links: Ein Fingertipp auf Links öffnet direkt die passende App, ohne das der Nutzer wählen muss. Allerdings muss der Entwickler festlegen, in welcher App der Link geöffnet werden soll.
  • Energie: Android M verbessert das Powermanagement. Die Software erkennt, ob das Gerät ungenutzt herum liegt, dann wechselt das Gerät in den Energiesparmodus mit dem Titel Doze. Auch Google wechselt, wie Apple beim neuen MacBook, auf den neuen USB-C-Standard zum Laden der Geräte.
  • Direct Share: Die Software erkennt über welche App und mit welcher Person man die meisten Inhalte teilt. Wird etwas zum Teilen ausgewählt, erscheinen die Fotos genau dieser Personen.

Android MAndroid Wear nutzt Armgesten

Es existieren bereits über 1.500 Designs für das persönliche Zifferblatt einer Smartwatch und über 4.000 Apps für Android Wear. Das ist das Betriebssystem für smarte Uhren und andere Wearables. Die Auswahl reicht von Foursquare mit Geofencing für Läden, den Citymapper für den öffentlichen Nahverkehr, die Liederkennung von Shazam, die Musikauswahl via Spotify, über die Autobestellung bei Uber bis zur Temperaturanpassung dahein via Nest. Dabei gibt es erst sieben smarte Uhr-Modelle mit Android Wear von Herstellern wie LG, Samsung, Asus, Sony, Motorola. David Singleton stellte noch zwei neue Funktionen vor:

  • Always on: Neben der Uhrzeit kann eine Wunsch-App stets zu sehen sein, ohne das man den Bildschirm aktiviert. Praktisch bei der Navigation mit Google Maps oder Einkaufslisten im Supermarkt.
  • Arm-Gesten: Mit einer Drehung des Handgelenks bzw. des Arms werden Befehle ausgeführt oder Apps gewechselt. Symbole mit dem Finger malen, die Uhr erkennt die Zeichnung und zeigt sie als Emoji an. Google Fit erkennt die sportlichen Aktivitäten mit der Uhr am Handgelenk.

Internet of Things spricht Weave

Brillo heißt Googles neues Betriebssystem, damit Geräte im Haushalt (Nest u.a.) aber auch in der Außenwelt (Busse, Parkhäuser, Thermometer etc.) miteinander kommunizieren. Das werden sie zukünftig per Weave tun. Alle Android-Geräte werden diese Sprache verstehen und Befehle umsetzen können.

Now on Tap: Mein schlauer Assistent

Die Funktion hat nichts mit frisch gezapftem Bier zu tun – wie man vermuten könnte. Der persönliche Assistent Google Now wird einfach noch schlauer. In Android M, heißt er dann Now on Tap, wie Aparna Chennapragada, Director Google Now, ausführte. Der digitale Assistent in Android-Geräten analysiert den Kontext in Bezug auf Ort, Zeit und Bildschirminhalt. Proaktiv schlägt Now on Tap Antworten vor, die es aus dem Zusammenhang ableitet oder löst Aktionen aus. In der Vorführung fragte der Nutzer während der Wiedergabe eines Songs von Skrillex: „Wie heißt der eigentlich wirklich?“. Das System erkennt den Zusammenhang und liefert den bürgerlichen Namen: Sonny John Moore. Now on Tap ist Teil von Android M.

Now on Tap

Aparna Chennapragada präsentiert Now on Tap

Google lässt Ballons fliegen

Zum Abschluss gab Pichai einen Ausblick auf echte „Moonshot“-Projekte. Eins davon ist Loon. Sämtliche Google-Dienste kann man nur nutzen, wenn man eine Internetverbindung hat. Um in Schwellen- und Entwicklungsländern diese Verbindung herzustellen, lässt Google Ballons aufsteigen und zwar bis in die Stratosphäre. Das wird bereits in Kooperation mit Vodafone in Neuseeland getestet. Ein Netz aus mehreren Ballon sorgt für bis zu 10 Mpbs Downloadraten am Boden. Die Ballon bleiben bis zu 100 Tage in der Luft.

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